News Nr. 4 | 2019

1. Ein Mann, ein Wort, eine Stimme: John Bercow

Einen großen Vorteil hat die unendliche Geschichte mit dem Brexit schon. Jeder, der Nachrichten sieht, kennt nun den Sprecher des Unterhauses des Vereinigten Königreichs. Es ist der ehrenwerte Gentleman John Bercow, Speaker of The House of Commons.

Was für ein Original! Was für eine Stimme! Was für ein Humor! Was für eine Autorität! Was für ein Redner! Eine Legende!

Sein Markenzeichen ist zweifellos sein geradezu gebrülltes „Order! Oooooorder!“

Dieser lebendige, streitbare Haufen von Alphatieren im britischen Parlament, wo weder ein Klubzwang noch der Keuschheitsgürtel der Political Correctness zu gähnender rhetorischer Langeweile führen, gehört natürlich entsprechend gebändigt und geführt und im allgemeinen Tumult der rhetorischen Lust übertönt.

Das kann John Bercow sehr gut. Er ist der Alphamann schlechthin.

Aus Youtube gibt es eine Fülle von Aufnahmen mit Bercow. Die jüngsten zeigen ihn in seinem direkten Zusammenspiel mit dem neuen Premierminister Boris Johnson. Die beiden spielen auf Augenhöhe in derselben rhetorischen Liga. Alpha & Alpha.

Ich zeige Ihnen hier nur zwei exemplarische Aufnahmen.

Die erste Aufnahme ist ein Zusammenschnitt von Orderrufen.

Beobachten Sie die Stimme und die Mimik genau. Viel Spaß!

Das zweite Video zeigt eine Auseinandersetzung.

Premierminister Theresa May ist am Wort. In einem Zwischenruf bezeichnet der ehrenwerte Gentlemen Ian Blackford May als Lügnerin („liar!“).

In diesem Video beobachten Sie bitte neben Stimme, Mimik und Körpersprache die Führungsrhetorik John Bercows. Ich sage dann weiter unter noch etwas über sie.

Ein paar allgemeine Beobachtungen von mir, die auch auf vielen anderen youtube-Aufnahmen beruhen, die ich gesehen habe.

John Bercow formuliert immer knapp und in kurzen Sätzen.

Er formuliert glasklar und stilsicher elegant, ohne je zu pöbeln.

Er gebietet, wenn er qua Amt zu gebieten hat. Er unterbindet etwas, wenn er es qua Amt zu unterbinden hat. Er warnt und droht, wenn sein Amt es von ihm fordert.

Er entscheidet nie ohne plausible Begründung und immer ohne Ansehen der Person beziehungsweise der Partei der Person. Legendär sind seine Order-Rufe. Er sorgt für Ruhe und setzt sie durch, mit seiner Stimme, die ihre Kraft und Nahrung aus seiner Autorität und aus seiner tapferen Entschlossenheit zieht.

Er geht immer, wenn sich Widerstand (egal ob rationaler oder emotionaler) gegen sein Wort erhebt, auf die Metaebene und erklärt geduldig und wiederholend seine Grundsätze und Kriterien, laut vernehmbar mit fester Stimme und geradem Blick, den er einmal nach links, ein anderes Mal nach rechts und dann und wann sehr direkt einem Angesprochenen zuwendet (beobachten Sie das bewußt).

Daher weiß jeder, der in diesem Parlament arbeitet, was der Präsident warum und wozu tut und läßt.

Seine Berechenbarkeit und Verläßlichkeit wurzeln in seiner klaren Führungsrhetorik. Und seine Führungsrhetorik wurzelt in seinem Führungswillen und in seinem Amtsverständnis – und heute natürlich auch in seiner immensen, reichhaltigen Erfahrung.

Daß er die Geschichte und die Geschäftsordnung des Hauses im sprichwörtlichen kleinen Finger hat, das zeigt er und das wissen alle, Freund und Feind gleichermaßen.

Zweifel zeigt Bercow keine. Ausnahmen macht er keine. Zurückweichen tut er nicht. Es gibt Dinge, die er nie tun wird, sagt er. Und er benennt sie. Und es gibt Dinge, die er immerzu tun wird. Auch gegen heftigsten Widerstand, weil sein Amt es von ihm fordert.

Da gewisse unangemessene Verhaltensweisen im Parlament immer wieder von neuem an den Tag treten, wird er ebenso immer wieder von neuem mahnen, fordern, Einhalt gebieten, zur Ordnung rufen und Widerspenstigen drohen, sie aus der Debatte auszuschließen.

Daß er darüber hinaus ein Mensch aus Fleisch und Blut ist und auch das in Worten zeigt, ist der Grund für den hohen Unterhaltungswert seiner Auftritte. Unterhalten tut uns beides. Sein heiliger Zorn, der ihn sehr laut werden lassen kann, und sein unglaublich frischer Humor, der ihn schelmisch lächeln lassen kann.

Ganz nebenbei: Googeln Sie „Bercow and Nadal and Federer“, werden Sie ihn als großen Tennisfan entdecken, der ganz Wimbledon mit seiner Stimmkraft füllt, als er einen der Tennisstars bejubelt, und zwar ohne Mikrofon und doch haben ihn alle gehört: „We all love you!“

Doch zurück zu unserm Thema:

In unserm zweiten Video zum Beispiel erzählt er dem Delinquenten, der Frau PM May einen Lügner genannt hat, väterlich, daß er vormals höchstselbst dieses besagte Wort zurückziehen mußte. Der ehrenwerte Gentleman es also nun seinem Beispiel folgend durchaus auch zurückziehen könne. Allgemeines Lachen im Saale. Und der feiste, stolze Schotte zieht es dann doch, wenn auch wortreich, zurück.

Ich entsinne mich einer anderen Aufnahme, in der Bercow einem anderen ordnungswidrig dreinrufenden Mandatar frisch von der Leber erzählt: "Ehrenwerter Gentleman, wir haben anno dazumal miteinander studiert. Und ich sehe Sie vor mir und erinnere mich gut. Was mich heute wirklich erstaunt: Sie haben sich damals als Jüngling viel, viel besser benommen als Sie es heute als ehrenwertes Mitglied dieses Hauses tun."

Bercow zu hören, ist nicht nur ein Genuß, sondern in rhetorisch führungsarmen Zeiten auch eine Labsal.

Weil ich kein Stimmenexperte bin, habe ich Frau Julia Zanev gebeten, Bercow genau anzuhören.

Frau Zanev ist eine erfahrene und ausgesprochen gut ausgebildete Expertin, was die Stimme und das Sprechen anbelangt. Ich hatte die Ehre, mit ihr in Deutschland in ein paar Landesparlamenten Seminare für Abgeordnete zu leiten.

Frau Zanev hat ihre Beobachtungen auf Tonband gesprochen, damit sie uns mit ihrer eigenen Stimme vorzeigen kann, wie variantenreich Herr Bercow seine Stimme einsetzt.

Und Sie werden sehen, wie sich der Kreis schließt: Ohne, daß ich Frau Zanev nur irgendetwas von meinen Beobachtungen gesagt hätte, hat sie alleine aus seiner Stimme und Sprechweise abgeleitet, welche Art von Führungspersönlichkeit er ist, ein „Schelm“ nämlich und ein „General“ zugleich. Es ist faszinierend, was man entdecken kann, wenn man einer menschlichen Stimme gut zuhört. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit Julia Zanev. Sie ist am Wort.

Wenn Sie Ihrer Stimme für Ihre Reden Gutes tun wollen, wenden Sie sich direkt an Frau Julia Zanev.

Ist Führungsrhetorik ein Thema für Sie und die Führungskräfte in Ihrem Unternehmen? Dann wenden Sie sich Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Sie sind immer willkommen!

Just am Tage, an dem wir diesen Artikel online gestellt haben, hat John Bercow im Zuge der politischen Turbulenzen wegen des Brexits seinen Rücktritt angekündigt.

Bildquelle Bercow: 1. telegraph.co.uk, 2. aljazeera.com, 3. thenational.ae


2. B oder P? D oder T? Ü oder I? Lustige Anekdoten über schlampiges Reden. 

Pein oder Bein? Eingeweide oder Eingeweihte? Unbekleidete oder Unbegleitete? Ente oder Ende?

Ist es Ihnen auch gleich aufgefallen? Wenn man diese Begriffspaare liest, dann bemerken wir sofort, wie wichtig es ist, die Dinge auch richtig auszusprechen. Sonst reden wir uns in ein Schlamassel hinein oder, im bessern Fall, wir bringen unsere Zuhörer an ganz unpassender Stelle zu lautem Lachen. Und dann fasse einmal wieder Tritt!

Das ist einer der Gründe, warum es wirklich gut ist, wenn wir laut und vernehmlich üben, was wir unserm Publikum vorhaben, zu sagen. 

Selbst professionelle Nachrichtensprecher (zumindest die guten) lesen ihre Texte vor der Sendung laut durch. Sie wissen nämlich ganz genau, in welche Fallen uns die deutsche Sprache mit ihren Lauten lockt. 

Daher: Pannen vermeiden, damit wir unsere Hörer nicht auf falsche Bahnen locken, was viel schneller passieren kann, als uns lieb ist.

Die Moral aus dieser G’schicht? Üben, laut üben, und noch einmal laut üben. 

Ich habe in Eckermanns Gesprächen mit Goethe eine Sammlung köstlicher Andekdoten über lustige Versprecher gefunden. 

Goethe und sein Vertrauter Eckermann unterhalten sich gerade über die Folgen undeutlichen Sprechens. Und weil sie grad in Stimmung sind, wetteifern sie geradezu mit ihren Geschichten über lustige Mißverständnisse, die nur auf schlampigem Reden beruht haben. Immerhin, zum Gaudium des Publikums hat es in diesen Fällen allemal gereicht. 

Haben Sie gewußt, wen Goethe zu den größten Meistern des undeutlichen Redens gezählt hat? Die Sachsen, die Schwaben und die Österreicher. 

Die Anekdoten von Goethe und Eckermann (PDF)

Bildquelle: weimar-lese.de


3. Der grausame Stuhl. Wozu er den Mann zwingt und was er uns zeigt. Mit Fotobeweis.

Was natürlich ein totaler Unfug ist, entpuppt sich doch als eine wunderbare Veranschaulichung dafür, welche Blüten der fanatische, hysterische Feminismus treibt.

Für diesen Sessel hat die Feministin Leila Laurel tatsächlich eine Auszeichnung bekommen, den New Designers Belmond Award. 

Was tut der Sessel? Er zwingt Männer, wider ihre Natur mit eng aneinander gelegten Knien zu sitzen. Sie sehen es im Bild, es bedarf keiner weiteren Erklärung.

Was tut der Sessel darüber hinaus? 

Er veranschaulicht sehr gut, was der Feminismus mit der deutschen Sprache tut. 
Das Gendern zwingt Menschen, gegen die Natur der deutschen Sprache zu reden und zu schreiben. 

Natürlicherweise unterscheidet die deutsche Sprache grammatikalisches Geschlecht (Genus) und natürliches, biologisches Geschlecht (Sexus). 

Gendern tut es dem Sessel gleich. Wider die Natur der deutschen Sprache wird das Genus schlicht geleugnet und Menschen gezwungen, wider die Natur der Sprache tatsächlich sexistisch (von Sexus abgeleitet) zu reden und zu schreiben. 

Der Sessel ist ein schönes Beispiel für die Widernatürlichkeit gendernden Redens und Schreibens des Deutschen. 

Ich bin ein Mann und sitze wie ein Mann eben von Natur aus sitzt.

Ich rede und schreibe hier deutsch  - daher genderfrei, wie eben die deutsche Sprache von Natur genderfrei ist.  Bio-logisch halt. 

Bildquelle: newsamed.com


4. Neue Dinge - neue Taten - neue Wörter. Ihre originelle Liste im Netz.  

Sprache lebt. Auch die deutsche Sprache. 

Entsteht ein neues Ding (der Computer zum Beispiel) oder entsteht eine neue Tätigkeit (googeln zum Beispiel), etwas, was es bisher nie gegeben hat oder was wir früher nie gemacht haben, ist es nur allzu natürlich, daß wir dafür ein neues Wort kreieren.

Denn was es gibt und was wir tun, das wollen wir auch sagen und schreiben können.

Es gibt grob gerechnet zwei Arten neuer Wörter: tatsächlich neue Wörter, die es zuvor nicht gegeben hat; und solche, die neu nur dadurch sind, daß man zwei schon alte Wörter in ganz neuer Kombination miteinander verbunden hat.

Ob diese Wörter dann schön sind und gut klingen, ist den Wortschöpfern zunächst vollkommen egal. Man gewinnt zumindest diesen Eindruck, wenn man die Liste der neuen Wörter durchliest. Schön definiere ich anders. 

Welche Lebenserwartung hat ein neugeborenes Wort? Das eine neue Wort bleibt eine Eintagsfliege und verschwindet bald wieder von der Bildfläche. 

Das andere neue Wort, im technischen Feld ist es meistens ein englisches Wort, setzt sich durch, allein durch die Praxis; bei uns wird dieses englische Wort  grammatikalisch schnell germanisiert, d.h. wir sagen dann: der Computer, des Computers, dem Computer usw. und: ich google, du googelst, er-sie-es googelt usw. Aussprechen tun es die einen englisch, die andern tatsächlich so, wie sie es lesen. 

Hat sich ein neues deutsches Wort oder Lehnwort durchgesetzt, wird es kanonisiert, es wird in den Duden aufgenommen. Dann muß es auch der konservativste Germanistikprofessor zur Kenntnis nehmen; lieben muß er es also noch lange nicht. 

Kennen Sie schon die Seite (anno dazumal neues Wort: Website), auf der (in der?) wir die neuesten Wörter finden? 

www.wortwarte.de heißt sie. Die Wortwarte ist sozusagen unser Standesamt des neuen Wortes. Kommt ein Wort auf die Welt, wird es auch schon in das Geburtsregister eingetragen. Sogar mit Datum und Angabe des Erzeugers und des Geburtsortes des Neuankömmlings. 

Aktuell:

Tastenkrieger – Vorbeugeportal – Windkraft-Dilemma – Häuselschrumpfer – Einkommensschamgrenze – Fake-Fashion – Klimaanleihe – Zensurwerkstätte – raumintelligent 

Die neuesten Wörter von gerade eben finden Sie HIER.

Stöbern Sie. Es ist lustig. 

So, und jetzt ist Schluß mit Lustig. Zurück zum Ernst. Voltaire ist immer gut zu zitieren, wenn man als Redner ernste Seriosität und hohe Bildung an den Tag legen will, somit lesen Sie mit ernster Miene dieses hier:

Bildquelle: gutezitate.com


Wichtiger Hinweis für meine neuen Leser: Reden werden hier nie aus weltanschaulichen, sondern ausschließlich aus rhetorischen Gründen vorgestellt.

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