Januar - März 2018

1. Stimmt Ihre Mimik?

Ich brauche Ihnen nichts zu erklären. Diese Aufnahmen tun das viel besser als ich es je könnte. Wir haben das Glück, daß Angela Merkels Kommunikationstrainerin ein paar Minuten mitfilmen hat lassen, als Sie Merkels Mimikproblem lösen wollte. Doch schön der Reihe nach:

a) Angela Merkel mit Wladimir Putin in's Plaudern vertieft:

b) Angela Merkel muß das mit ihren Augen wieder wegkriegen:


2. Stimmt Ihre Vorbereitung?

Das frage ich aus reiner Erfahrung. Wenn Sie eine komplexe Präsentation machen müssen, dann bereiten Sie sie ohnehin vor. Müssen Sie „nur“ ein kurzes, schlichtes Wort an jemanden richten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, daß Sie die Lage unterschätzen.

Und dann geschieht das Unglück und Sie verplappern sich, stottern dahin oder finden grad nicht den richtigen Ton oder kommen nicht auf den Punkt. Und Sie spüren nur eines: den reinen, puren Streß.

Das muß aber gar nicht sein.

Ich habe eben erst vor ein paar Tagen Johann Lafer beim Kochen im TV zugeschaut. Sagt ihm einer: „Ah, das ist eh etwas Einfaches.“ Schaut ihm Lafer tief in die Augen und sagt: „Einfach ist meistens das Schwierigste.

Das erinnert mich an meinen Freund Volker. Volker ist Verwaltungsbeamter in einer kleinen Stadt in Deutschland. Ungefähr 40 Jahre alt, Typ drahtiger Läufer. Reden halten muß er nur ganz, ganz selten, ganz genau genommen nie. 

Im Oktober mußte er ans Rednerpult, traurigerweise beim Begräbnis von Hanno, einem gemeinsamen Freund von uns. Seine Aufgabe war schlicht und einfach, nämlich am Anfang die Gäste zu begrüßen und ein paar einleitende Worte zum Charakter der Trauerfeier zu sagen, damit sich alle auskennen. Das war’s auch schon.

Und das hat Volker getan. Und es war in jeder Hinsicht ganz ausgezeichnet. Schlicht, würdig, ohne pathetisch zu werden. Ich war richtig froh für ihn, daß es ihm so gut gelungen ist, zumal er doch großes Lampenfieber hatte.

Wäre diese Minirede ein Fall für den Stegreif?

Volker hat mir später erzählt, daß er genau das auch gedacht hatte, genau bis vor dem Einschlafen in der Nacht vor dem Begräbnis. Im Bett hat er sich noch geistig vorgestellt, wie er es morgen vermutlich anstellen werde. „Nein, doch nicht. Das muß ich anders sagen ...“ Und die Zweifel sind gewachsen und immer nagender geworden.

So einfach die Aufgabe und doch so schwierig zugleich.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken. Und er steht auf und er nimmt seinen Stift in die Hand und schreibt auf einen kleinen Zettel, damit das Einfache und Wenige Hand und Fuß bekommt. Seinem Schlaf hat das gut getan und seiner Rede sowieso.

Ich liebe diesen Zettel, den ich ihm dann abgeluxt habe. Das Ergebnis sehen Sie im Bild. Erzählt hat mir Volker auch, daß dieser Zettel ungefähr der achte war, die ersten Versuche haben ihm denn doch noch nicht gefallen. Volker hat gut geredet. Weil er Respekt gehabt hat vor der Aufgabe, vor Hanno und uns allen dort im Krematorium in Berlin.

Wie sagt Johann Lafer? Einfach ist meistens das Schwierigste.

Haben Sie keine Zeit, Ihre Rede so richtig gut vorzubereiten? Oder Ihnen fehlen Ideen? Fragen Sie mich. Ich unterstütze Sie gerne.


3. Stimmt die Stimmung? I. Die Länge.

Haben Sie gewußt, daß es schon Unfälle gegeben hat, nur weil eine Rede zu lange gedauert hat? Der Apostel Paulus hat es einmal übertrieben, und bei aller Liebe zur Mission, das ist riskant.

In Tyrus, heute Westtürkei, predigt Paulus von Abend an bis nach Mitternacht. Eutychus ist dabei und sitzt gerade am offenen Fenster der im 3. Stock des Hauses gelegenen Wohnung. Dann geschieht, was geschehen mußte. Er nickt ein, verliert sein Gleichgewicht und stürzt hinaus, hinunter auf die Gasse (Apg. 20, 7 - 12). Nicht gut.

Peking 2017. Xi Jinping, der Staatspräsident und Chef der Kommunisten spricht. 3 Stunden und 20 Minuten lang. Vor Tausenden. Live im TV übertragen.

Das kann man nur mehr damit erklären, daß die Würde im Ritual liegt und daß die Stimmung wohl bei jenen eh gut geblieben ist, die dieses Ritual wirklich lieben. Wie viele sind das?

Die Rede des Staatspräsidenten Chinas war wohl die längste Rede eines Politikers im Jahre 2017. Die Stimmung? Man sieht, sie ist enden wollend, weil wohl viele wollen, daß die Rede bald ein Ende findet, schon alleine aus Gründen des Stoffwechsels.

Das muß der Redner rhethorisch einmal durchhalten können. Wie gerne würde ich die Redenschreiber fragen, wie sie methodisch vorgehen, wenn sie einen solchen monumentalen Auftrag erhalten.

Vermuten tue ich: Es gehört diese Rede zu jenen wenigen Reden, wo die Stimmung der Audienz aus der Sicht des Staatenlenkers bewußt und tatsächlich gar keine Rolle zu spielen hat. Diese Rede dient allein der historischen Dokumentation des gestern Vollbrachten und der Proklamation des morgen zu Schaffenden.

Tatsächlich hat man an diesem 19. Nationalen Parteikongreß selbst für chinesische Verhältnisse historische Entscheidungen getroffen.

Als redehistorischer Schatz sei die Rede Xi Jinpings hier dokumentiert, in Bild mit englischer Simultanübersetzung (gut verstehbar) und in englischem Text.

PS: Wegen der Geschichte in Tyrus vorhin: Eutychus hat den zunächst tödlich scheinenden Absturz letzten Endes heil überstanden.

Wichtiger Hinweis für meine neuen Leser: Reden werden hier nie aus weltanschaulichen, sondern ausschließlich aus rhetorischen Gründen vorgestellt.


4. Stimmt die Stimmung? II. Die Musik.

Die erste Filmmelodie meines Lebens, die mich bis heute in Stimmung bringt, ist die von Winnetou.

Was ist Ihre erste Filmmelodie? Filme ohne Musik, können Sie sich das vorstellen? Das ist wie eine Speise ohne Gewürze.

Ich freue mich schon auf den neuen Kinofilm SCORE. Es geht um Filmmusik. Um gute Filmmusik, wohlgemerkt. Ihre Geschichte, ihre Wirkung, ihr Geheimnis. Einer der Komponisten erzählt, was sein Qualitätsanspruch ist, wenn er für einen Film komponiert. Es ist die Gänsehaut. Die will er spüren, wenn er seine Musik hört. Erst dann ist er zufrieden.

Das zeigt zwei Tatsachen: Musik dient dem Film. Und: Die Musik dient unsern Emotionen. Was Bilder tun, was Worte tun - gute Musik macht’s, daß eben diese Bilder, und diese Monologe oder Dialoge unsere Seelen berühren (in der ganzen Bandbreite von Liebe bis Horror).

Höre ich so etwas, denke ich gleich an meine Profession Redenschreiben. Unsere Zeilen einer Rede dienen dem Redner und den Emotionen seiner Hörer. Unsere Musik: im übertragenen Sinne Wortwahl, Formulierung, Rhythmus, Stilmittel, Tempo, Pausen, Modulation. Eine Rede muß auch schön sein, Musik in meinen Ohren. Sie mag richtig sein und wichtig, aber damit allein wirkt sie nicht. Rede braucht mehr. Wie der Film mehr braucht als Bilder, um zu berühren.

Musik und Rede kombinieren? Ist das sinnvoll? Manchmal ja. Wichtigste Voraussetzung: Musik nur, wenn sie wirklich gut ist und man die Rede und Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen lassen kann. Musik um der Musik willen? Niemals!

Im Dezember habe ich die Ehre gehabt, an einer Rede mitzuarbeiten, die dem Redner menschlich sehr wichtig war. Es war eine persönliche Botschaft des Vorstandschefs an seine weltweit tätigen Mitarbeiter. Sie sollte auf Video aufgenommen werden, damit sie im Intranet alle sehen und hören konnten.

Für ihn haben wir das Folgende das erste Mal gemacht. Wir haben seine Rede mit sorgfältig ausgewählter Musik eingeleitet. Sie hat die Stimmung in die vom Redner gewünschte Richtung gelenkt. Der Refrain des Liedes war dann der rote Faden der Rede. Das ist dann auch alles gut gelungen, und die Aufnahme hat genau die Wirkung gezeigt, die sich mein Auftraggeber gewünscht hatte.

Beim Dreh geschah etwas ganz Feines: Bevor der Kameramann - übrigens ein unglaublich begabter und kompetenter junger Mann - ans Werk gehen wollte, hat der Herr Vorstand nicht wollen:

„Noch nicht! Zuerst möchte ich noch einmal die Musik hören, damit ich in die richtige Stimmung komme!“ Gute Idee! Er hat sich mit der Musik von dieser Stimmung aufnehmen und beflügeln lassen. Er hat in der Folge genau den Ton gefunden, der dann die Rede zu einem Erlebnis für seine Mitarbeiter und auch für ihn selbst gemacht hat.

Die Stimmung hat ihren Dienstweg: Musik > Redner > Rede / Hörer.

Zurück zu SCORE: Unten sehen Sie ein Video mit ein paar Sequenzen aus SCORE und einem kurzen Gespräch von Komponisten. Bitte achten Sie auf den Dialog ab Min 2:12. Die Redakteurin fragt Bear McCreary, wie er nun an die Arbeit geht, wenn er die Musik zu einem Spielfilm komponiert.

McCreary: Ich rede mit dem Regisseur. Und ich will zunächst dezidiert nichts wissen über Instrumente, Stil, Richtung und dergleichen. Meine erste und alles entscheidende Frage ist: „What do you want your audience to feel?“

Hören Sie ihm zu, wie er das dann erklärt. Das ist ganz meine Rede, denn: Das ist exakt die Frage, die ich dem Redner als erstes stelle, wenn  ich ihm eine Rede schreiben soll. What do you want your audience to feel?

Haben Sie das schon einmal ausprobiert? Hören Sie die Filmmusik ohne den Film zu sehen. Und horchen Sie in sich hinein, was in Ihnen vorgeht, welche Musik, welche Stimmung und welche Bilder in ihrem Kopf schafft. Sie können das mit Bear McCrearys Musik ausprobieren.

Dazu passt dieses Buch: Freude an der Musik von Leonard Bernstein (Original aus USA: The Joy of Music).


5. Stimmt die Stimmung? III. Die Geschichte

Wer mich schon länger kennt, kennt dieses Zitat schon gut:
Niemand läßt sich alles sagen, aber jeder läßt sich alles erzählen.

Ich zeige Ihnen heute eine rhetorisch exzellente Rede. Der Redner ist der wohl zukünftige Ministerpräsident von Bayern und heißt Markus Söder. Gehalten hat er sie am Parteitag der CSU am 16. Dezember 2017.

Es lohnt sich, die ganze Rede zu hören. Sie erfüllt alle Kriterien guter Rhetorik.

Jetzt möchte ich nur auf einen Ausschnitt aufmerksam machen, wo man selbst über youtube spürt, wie Söder da in Stimmung ist, wie er dann genau diese Stimmung nutzt und wie er sie emotional auf seine Hörer überträgt und wie er damit ihre Seelen berührt.

In den entscheidenden Sekunden, wo sein Vater im Sterben liegt, ist es mucksmäuschenstill. Hören Sie das auch? Wenn man bei einer Geschichte die Stille im Saal hört, dann ist sie gut gewählt und gut erzählt.

Was ist das Risiko beim Erzählen gefühlsschwangerer Geschichten? Daß ich gefühlsdusselig werde.
Zitat: Mit der Übertreibung des Guten beginnt das Böse.
Wenn ich nur mehr auf Stimmung aus bin, wird das die einen gewaltig nerven. Und die andern sind dann manipuliert statt überzeugt. Keines ist gut.

Söder, der Profibayer, weiß das. Und er kann das Risiko vermeiden. Und wie tut er das? Er macht beides: nach dem (übrigens kompetenterweise nicht tiefen) Eintauchen in die Gefühle steigt er sehr bald auch wieder heraus aus ihnen und macht fröhlich-nüchtern weiter mit der Realpolitik für Bayern, so als wäre sein Vater gar nie gestorben.

So geht das. Kompliment, Herr Söder!

Ich empfehle die ganze Rede. Mein Auszug ist von Min. 12:45 bis 15:45.

Wichtiger Hinweis für meine neuen Leser: Reden werden hier nie aus weltanschaulichen, sondern ausschließlich aus rhetorischen Gründen vorgestellt.


6. Stimmt die Stimmung? IV. Die Manipulation.

Mit Manipulation (bekanntlich ein sehr dehnbarer Begriff) meine ich jetzt, daß jemand Menschen dazu bringt, etwas zu tun, was sie nach klarer Überlegung und auf Grundlage ihrer Überzeugung normalerweise nicht tun würden.

Begabte können andere manipulieren. Begabte Redner können das mittels der Stimmung, die sie mit ihrer Formulierungs- und Inszenierungskunst gezielt steuern. 

Diese Stimmung setzt Energien in uns frei, die unsern klaren Verstand lähmen und unser geistiges Blickfeld einengen. Das Phänomen ist: In der Masse stecken wir einander an. Die gelenkte Stimmung potenziert in der Menschenmasse ihre Wucht und Wirkung, bis hin zur Massenhysterie. Jetzt agiert nur mehr die Stimmung allein. Ich werde ein Teil der Masse, bald bin ich mit allen andern ganz verschmolzen.

Die Dynamik der Wortgewalt, der Formulierungskunst, des Tempos der Rede und des inszenierten Temperaments des Redners lassen die Masse jubeln und toben oder schreien und spotten oder gehorsamst Befehle befolgen. Ohne Verstand, ohne Überlegung, ohne zu entscheiden. Es geschieht. Aus Stimmung allein. Ich nenne das die Stimmung am Limit.

Daran dachte ich, als mir ein guter Bekannter von seinem Theaterbesuch erzählt hat:

23. Dezember 2017. Wien, Burgtheater. Am Programm: Henrik Ibsen, Ein Volksfeind. Eine Neuinszenierung, d.h. man erweitert oder ersetzt das Werk des Dichters. In unserm Fall u.a. durch Äußerungen des Protagonisten des Stücks zur österreichischen Politik.

Der unbestritten ausgezeichnete, hochbegabte Schauspieler Joachim Meyerhoff ist heute der praktische Arzt und Badearzt Doktor Tomas Stockmann.

Stockmann richtet dann einmal sein Wort direkt ans Publikum, an in etwa Tausend. Es ist eine flammende, hervorragend inszenierte und bestens dargebotene Rede gegen die erst ein paar Tage zuvor angelobte, funkelnagelneue Bundesregierung.

Vollenden tut er sie mit dem Appell ans Publikum, die totale Ablehnung dieser Regierung zu bezeugen. Man solle sich von den Sitzen erheben, sich umdrehen und als Zeichen der Ablehnung der Bühne / der Regierung den Rücken, den verlängerten, zeigen.

Ich frage meinen Bekannten: Und was hast Du getan?
Er: Ich bin sitzengeblieben. - Wie viele sonst sind sitzengeblieben? - Ich war der Einzige.

Ich rede jetzt nicht über Sinn und Position der Sache, ich bin kein Theaterkritiker. Ich sage rhetorisch relevant nur das Folgende dazu: Dieser Abend am größten Theater deutscher Sprache zeigt zweierlei:

  1. Es spielen dort ganz große Schauspieler. Bringe das jemand einmal fertig, eine Audienz von 1000 in ihrer Mehrzahl wohl intelligenten und kultivierten Damen und Herren, dazu zu bringen, allesamt einer solchen unerwarteten und politisch eindeutigen Aufforderung gehorsamst und öffentlich Folge zu leisten.
    .
  2. Unabhängig davon, wer wir sind und wie wir sind: Wir sind manipulierbar. Und: Manipulieren können wir oder können wir lernen. Auch mit der Rede allein, wie Joachim Meyerhoff das wohl wirklich gut kann kraft seiner Kunst und seines Auftrags.

War das denn Manipulation? Ich sage: ja, das war Manipulation. Weil ich davon ausgehe, daß es nur mit Manipulation möglich war, daß nur ein Einziger aus Tausend sitzengeblieben ist (oder vielleicht zehn, falls er ein paar andere nicht sehen konnte).

Auf dem Weg über die von einem großen Schauspieler gelenkte Stimmung ist handwerklich gesehen Großes geschehen. Was die einen gefreut haben mag, mag den Andern und später dann noch manch zusätzlich Andern zutiefst erschreckt haben.

Das Staunen bleibt allen: Was das Wort alles kann!

Eine der Kritiken der Premiere dieser Aufführung wenige Wochen zuvor finden Sie hier.


7. Reden lernen. Reden vorbereiten. Reden schreiben. Beratung und Training, Seminare

Wie können Sie nun eine bestimmte Stimmung hervorrufen? Und wie können Sie sie rhetorisch so lenken, daß Sie Ihr Wirkungsziel gut erreichen und Ihre Hörer Ihnen dankbar sind?

Das verrate ich Ihnen im Detail nicht hier, sondern viel lieber persönlich.

Wenn Sie mich für sich oder für Ihr Unternehmen engagieren wollen, tun Sie es!

Ich bin für Sie erreichbar. Sie sind immer willkommen!

Ihr Géza Ákos Molnár

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