Mai 2011
1. Drei politisch – rhetorische Hoppalas
Stoiber kann’s! Videolink
Überhaupt lustig! Videolink
Aus Deutschland. Ich such’ immer lustige Beispiele aus Österreich. Entweder sie werden nicht ins youtube gestellt – oder unsere Politiker haben’s nicht so mit dem Humor.
In Vino Veritas! Dafür aber haben wir solche Reden auch keine dokumentiert – im Gegensatz zu unsern deutschen Freunden: Videolink
2. Klingt einfach, ist es aber nicht: Ich halte eine Begrüßungsrede.
Beispiel Nummer Eins:
„Wie finden Sie diese Begrüßungsreden?,“ hat mich ein Leser meines Newsletters gefragt und mir den Link zum Neujahrsempfang des Österreichischen Journalistenclubs zugesandt.
Meine Antwort:
Diese Reden sind ein Musterbeispiel für zwei Grundsätze, deren sich gute Redner immer bewußt sind. Allein, diese Redner sind zumindest hier keine guten Redner gewesen.
Grundsatz Nummer 1: „Eloquenz allein tut’s freilich nicht.“
Beide Herren sind fraglos sehr eloquent. Ohne Scheu stehen Sie vor hochkarätigem Publikum (immerhin ist ein EU Kommissar dabei). Ohne ins Stocken zu geraten, reden sie frei und frisch von der Leber.
Welcher Gefahr erliegen sie allerdings? Sie palavern. Sie plaudern. Sie plappern. Es ist nicht völlig sinnlos, was sie sagen. Dazu sind beide zu intelligent. Aber sie reden völlig nichtssagend. Absolut belanglos in Wahrheit. Gemessen am Nullinhalt sind die 7 Minuten 6 ¼ Minuten zu viel. Schade.
Wie der Gefahr wehren? Durch eine gründliche Vorbereitung, emotional und sachlich. Mit der schlichten wichtigen Fragestellung: Was will ich mit meiner Begrüßung bewirken? Treffen Sie eine Entscheidung. Machen Sie sich an die Arbeit. Bereiten Sie ein gründliche Begrüßung vor. Unter einer Brüßung soll niemand leiden. Über eine Begrüßung sollen sich alle freuen. Das ist das Ziel.
Für Begrüßungsreden gilt immer: In der Kürze liegt die Würze. Je eloquenter Sie sind, desto gefährdeter sind Sie! Je eloquenter Sie sind, desto aussichtsreicher ist allerdings auch Ihre rhetorische Spitzenleistung – wenn Sie die denn wollen und hart für sie arbeiten!
Letzter Hinweis aus Erfahrung: Wenn mehrere begrüßen, bereiten Sie entweder so Originelles vor, daß es sicher keine fadisierenden Wiederholungen mit den andern gibt. Oder sprechen Sie sich mit den andern ab, wer was ins Auge fassen will.
Grundsatz Nummer 2: „Ausnahmslos jede Rede ist eine Dienstleistung an den Hörern.“
Beide Herren sind fraglos mit jenen gesellschaftlichen Kreisen vertraut, die sie hier begrüßen. Beide Herren tun auch gut daran, nichts Steifes aufkommen zu lassen. Beide Herren erliegen aber wieder einer großen allzutypischen Gefahr. Sie sind a: respektlos, b: unverbindlich und c: distanzlos. Typisch für plappernde Plauderer.
Nur 1 Beispiel zu [a]: „Mit dem Kommissar werden wir einen sehr guten Redner haben.“ – Keinerlei namentliche Begrüßung des Herrn Kommissars, keinerlei Bekundung irgendeiner Wertschätzung oder Ermöglichung eines Applauses etc.
Und nur 1 Beispiel zu [c]: „Die Veronika macht das ganz sicher!“ – Wer? Welche Veronika? Wie? Warum? Was soll das hier überhaupt? Was nett gemeint war, ist hier und so schlicht peinlich. Und überflüssig sowieso.
Wie der Gefahr wehren? Achten Sie den Rahmen. Konkretisieren Sie explizite Wertschätzung gegenüber den Ehrengästen und dem Festredner. Langweilen Sie das Publikum nicht mit Selbstlob. Sondern dienen Sie ihm mit einem Hinweis auf Ihre Beziehung zu ihm und Ihrer Freude über dessen Anwesenheit. Kleiden Sie das in glaubhaft begründete Worte und reden Sie mit den Leuten in direkter Ansprache!
Wenn ein Festredner da ist, stellen Sie ihn vor, auch wenn er berühmt ist – dann in bezug auf das, wozu er hier reden wird – und warum er fraglos der beste Mann zu diesem Thema heute ist. Launig. Spannend. Interessant. So, daß sich der Festredner freut und umso lieber reden wird.
Schwenken Sie kein vernebelndes Weihrauchfass, sondern sorgen Sie für erfrischende Klarheit. Klar, daß das viel Vorbereitungsarbeit braucht. Aber da jede Rede eine Dienstleistung ist, ist gute Vorbereitung das einzig Wahre.
Beispiel Nummer Zwei:
Hier zeige ich Ihnen einen Mann ganz andern Formats. Er begrüßt hier zwar in einem unvergleichlich andersartigen Rahmen als vorhin die beiden Neujahrempfänger.
Wie er das hier macht, ist allerdings a: einzigartig, b: großartig und c: artig zugleich!
Schauen Sie sich die 45 Sekunden kurze Rede an! Eines ist sicher: Eloquent ist der Herr Abgeordnete August Wöginger. Warum aber ist seine Rede auch ein sehr gute geworden? Er hat vor seiner Rede Entscheidungen getroffen.
Worüber genau? a: Wie er das machen wird, b: wie lange es dauern wird (fast auf die Sekunde genau !!), c: wen er wie wertschätzen wird und d: was er den Feiernden wünschen wird.
Null steif. Null selbstbeweihräuchernd. Null sinnlos. Sondern: Frei. Freundlich. Frisch. Somit schlicht hervorragend! Genau so mögen es die Leute bei der Feuerwehrveranstaltung! Rhetorische Dienst – Leistung vom Feinsten! Ich freu’ mich!
3. Ziffern und Zahlen: Nicht präsentieren! – Inszenieren !!
Videolink
Videolink (Ursprüngliche Quelle: www.numbersusa.com)
Das Transkript zum Mit - oder besser zum Nachlesen finden Sie hier: PDF
Hinweisen will ich auf folgende 4 Dinge, die absolut nachahmenswert sind:
(1) Herr Beck hat sich in der Vorbereitung gefragt: Was will ich bewirken? Er redet mit Sendungsbewußtsein. Nun ist es hier ein politisch relevantes Thema. Aber: Liebe Controller, Statistiker, Geschäftsführer, Vertriebsleiter undsoweiter: Wenn Sie über Zahlen reden – betrifft es Ihre Zuhörer nicht mindestens genauso existentiell wie das Thema Roy Becks es in bezug auf seine Zuhörer tut? Und sind Sie noch so rational – wenn Sie für Ihre Rede und für Ihre Leute arbeiten, gestalten Sie Ihre Präsentation doch bitte auch so emotional. Das ist für Ihre Leute gut, für Ihre Firma und auch für Sie! Und am Ende macht’s Ihnen sogar Spaß so! Bitte ausprobieren!
(2) Herr Beck redet dienstleistend: Fad wird es „trotz vieler Zahlen und Berechnungen“ sicher niemandem. Siehe auch im Publikum die Augen, wie sie schauen, und höre ihr Raunen, wie sie staunen!
(3) Herr Beck hat nicht wie sonst alle Power Point langweilig ermüdend gedient. Er hat Power Point überraschungssreich neugierweckend dienen lassen. Und wie! Lassen Sie sich überraschen! Videolink Ich hab’ sowas zuvor noch nie gesehen. Ich nehme an, Sie auch noch nicht.
(4) Und er hat sich gefragt: Warum zur Veranschaulichung der großen Zahlen nicht auch ganz andere Mittel einsetzen als Graphiken und Power Point Folien? Gefragt – getan – geliefert – inszeniert (!) – gewirkt.
4. Ich bringe Sie zum Reden!
Im Unterschied zum Verfassungsschützer aber nur, wenn Sie das wollen!
Ich unterstütze Sie gerne in bezug auf jede rhetorisch relevante Herausforderung. Oder die Ihrer Mitarbeiter!
Rufen Sie mich einfach an oder schreiben Sie mir! Ich freue mich auf Sie und die Aufgabe, die Sie mir stellen werden.
Beste Grüße,
G.Á. Molnár

